Der Huf

 

Millionen von Jahren konnte das Flucht- und Lauftier Pferd aufgrund seines Instinktes überleben und sich weiterentwickeln.

Erst der Mensch raubte ihm seinen natürlichen Lebensraum und begann es entgegen seiner herkömmlichen Lebensweise zu nutzen. Er domestizierte das Pferd, hielt es der ständigen Verfügbarkeit wegen in der Nähe des Hauses.

 

Der Pferdehuf hatte im Zuge der Evolution die Möglichkeit sich genau den Bedürfnissen und Anforderungen, die an das Lauftier Pferd gestellt wurden, anzupassen.

 

In der Umgebung "Mensch" hat dieser Huf in der Regel nicht mehr die Möglichkeit sich auf natürliche Weise abzunutzen und in Balance zu bleiben, sondern bedarf heute besonderer Bearbeitung, um seine Aufgabe voll und ganz erfüllen zu können.

 

Schiefe Wände

Flachhuf - Platthuf

Risse und Spalten

Zwanghufe

untergeschobene Trachten

Röntgenaufnahmen

Bildbeispiele von Hufzuständen

 

 

 

 

 

 

 

 

Schiefe Wände

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wie entstehen schiefe Wände ...?

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Jeder Huf, der nicht  vollkommen gleichmäßig belastet ist und abgenutzt wird, bildet irgendwann ungleich schräge oder steile seitliche Wände aus. Die Seitenwände oder die Zehe werden zu steil oder legen sich faltig in einem zu flachen Winkel Richtung Boden. Die Trachten schieben unter und/oder rollen sich ein (1), oder werden durch flachliegende Eckstreben, und dadurch entstandene unphysiologische Wandrundungen, noch flacher gezogen.

 

Die steiler ausgeprägte Hufseitenwand trägt das Gewicht (2) und die hornproduzierenden Anteile des Hufes versuchen diesem Druck so gut wie möglich standzuhalten. Die Hornröhrchen werden so senkrecht wie möglich - ausgerichtet zum Bodengegendruck - produziert.

 

Einen  vollkommen unbearbeiteten und trotzdem gleichmäßig belasteten Huf zu finden, ist jedoch fast unmöglich, da die optimalen Haltungsbedingungen zur Entwicklung eines solchen Hufes heutzutage kaum mehr gegeben sind und Pferde mit mehr oder minder schweren, unbehandelten Stellungsfehlern groß werden. Diese wirkt sich auf das Fußungsverhalten - und dementsprechend auf die Form der Hornkapsel - aus.

 

 

 

 

 

 

 

Wie entstehen schiefe Wände . . .

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Die stark belastete Wand bildet sich steil zum Boden aus und wird stärker abgenutzt, die unbelastete Wand erfährt dementsprechend weniger Bodendruck, es herrscht kein Abrieb und die Hornröhrchen werden immer länger. Irgendwann ist die seitliche Kippbewegung der unteren Scharniergelenke erreicht. Dann bricht der entstandene Überschuß an Tragrandhorn entweder weg, oder die Hornröhrchen verbiegen sich nach außen, um den Huf nicht auf einer Seite schweben zu lassen. Dadurch wird der Huf auf dieser Seite wieder niedriger - passend zu den Gelenkspalten. Die Länge der Wand selbst- gemessen vom Kronsaum bis zum Boden- ist jedoch länger als auf der Gegenseite.

Die übliche Hufbearbeitung tut ihr übriges, indem sie versucht diese zu lange Wand zu kürzen um dem Idealbild wieder nahe zu kommen. An der steilen Wand wird im Gegenzug nicht gearbeitet: Eine zu hohe steile Wand und eine zu niedrige schräge Wand entsteht (5).

 

Ist nun eine Seitenwand vollkommen überbelastet, kann es passieren, das die belastete Wand sich förmlich unter den Huf schiebt, sie folgt der Pendelrichtung der unbelasteten Wand (6). Diese verliert durch das konkave Verbiegen der Hornröhrchen nach außen immer mehr an effektiver Bodenhöhe und verlagert damit noch mehr Belastung  auf die schon überbelastete Gegenwand.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Knochenzubildung am Huf

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Knochenzubildungen am distalen Hufbeinrand werden auch auch als Hutkrempe oder Skispitze bezeichnet. Es handelt sich dabei um die Neubildung von Knochenmaterial aufgrund entzündlicher Vorgänge und/oder veränderter Druck- und Zugverhältnisse auf den Hufbeinrand.

Im Anfangsstadium kommt es durch die o.g. entzündlichen Vorgänge am margo solearis zu Knochenauflösung im Bereich der Gefäßkanäle der bodennahen Anteile des Hufbeins. Der ursprünglich relativ glatte, abgerundete Knochen wird scharfkantig und sägezahnähnlich und verursacht dadurch Reizungen - wenn nicht sogar eitrige Prozesse - der Sohlenlederhaut.

Wird nicht frühzeitig eine Korrektur des Flachhufes eingeleitet kann es im weiteren Verlauf zu Knochenzubildungen am Hufbeinrand kommen. Eine dünne Sohle und dadurch ständiger Druck auf die Hufbeinspitze - entweder durch den Bodengegendruck oder ein zurückgelegtes Hufeisen kann die Knochenveränderung forcieren. Eine verminderte Durchblutung der Sohlenrandarterie führt ebenfalls zur Mangelversorgung des distalen Hufbeinrandes und somit zu nekrotischen Prozessen an dieser Stelle. Knochenmaterial stirbt ab. Sowohl mit Hufschutz als auch Barhuf kann es zu solchen Problemen kommen: zu enge Hufeisen, zu dünn geschnittene Sohlen, oder eben der Druck des Hufbeins auf die Sohle bei Hufrehe.

Knochenzubildungen oder Verbiegungen finden statt, wenn das Pferd jahrelang mit einer zu langen Zehe (Huf ist zu flach im Verhältnis zur Fesselung) arbeiten und leben muss. Diese Zubildungen gibt es auch an den seitlichen Hufbeinrändern bei Pferden mit sehr schrägen Seitenwänden.

Eine Verbiegung der Hufbeinspitze nach oben sieht man häufig auf Röntgenbildern von Pferden, deren Hufe  nach einer lang andauernden Rehekrankheit nicht adäquat bearbeitet wurden 

Röntgen Hutkrempe

Röntgen Hufknorpelverknöcherung

Röntgen Hufbeinrotation und Hutkrempenbildung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

veränderter Hufbeinrand (distal) röntgenologisch

Hutkrempe

 

 

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Hier handelt es sich um die Aufnahme eines rechten Vorderhufes im lateromedialen Strahlengang. Deutlich zu sehen ist die Hutkrempenbildung an der Hufbeinspitze. Es ist keine Bodenfreiheit (Hufwölbung) vorhanden. Das Hufbein steht in Hyperextensionsstellung, die Knochensäule Fessel-, Kron- und Hufbein beschreibt einen Bogen nach vorne, sie verläuft nicht gestreckt. Zusätzlich ist gut zu erkennen, das die Hufwand im bodennahen Bereich sehr viel dicker erscheint als auf Höhe des Hufgelenks.

Das Hufbein folgt der Form des Hornschuhs, gleichfalls passt sich die Hufwand der Form des Knochens an: Ein Teufelskreis

 

Ein paar Jahre später zeigt sich auf der digitalen Röntgenaufnahme der verheerende Defekt, dessen Fortschreiten leider nicht aufgehalten werden konnte, weder durch Huforthopädie nach bestem Wissen und Gewissen, noch durch Schmiedekunst. Die Detailaufnahmen machen die Verwüstungen deutlich, die hier am Hufbein stattgefunden haben. Der Knochen im Bereich der seit Jahren bestehenden Zehenspalte hat sich förmlich aufgelöst. Über die Ursache kann ich hier nur mutmaßen. Aber selbst mit solchen Befunden kann ein Pferd noch weiterlaufen:

Die Stute ist seit einem Jahr endlich fast kontinuierlich lahmfrei mit dem Glue-on-shoe der Fa. The happyhorse.

 

Aktuelle Fotos der Hufe folgen!

 

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Eine Hutkrempe entsteht dort, wo der Hufbeinrand ständig unproportional hohen Zugkräften ausgesetzt ist, also bei Hufen mit schnabelnder Zehenwand und/oder weghebelnden Seitenwänden.

Das Pferd war seit seinem 4. Lebensjahr mit Hufeisen beschlagen. Die Aufnahmen der Hufe vor und nach Abnahme der Hufeisen im letzten Jahr dokumentieren ohne Worte den miserablen Hufzustand der über den Zeitraum von sechs Jahren durch schlechten Hufbeschlag herbeigeführt wurden. 

 

t   15. Mai 2009 

Der linke Vorderhuf des Pferdes zeigt ebenfalls Veränderungen an der Hufbeinspitze. Hier steht das Hufbein gestreckt zum Boden, die Hufwand schnabelt allerdings auch nach vorne weg, verläuft nicht parallel zum Hufbein. Der Hufbeinrand ist durch wegpendelnde Seitenwände, die dadurch entstandene geringe Bodenfreiheit und die dünne Sohle ebenfalls ständigem intensivem Bodengegendruck ausgesetzt und reagierte dementsprechend mit Knochenzubildungen.

 

 

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(August 2004)      

Hufbeinrotation und Hutkrempe bei chronischem Rehehuf

 

Dieser Huf befindet sich schon jahrelang im Stadium eines chronischen Rehehufes. Das Hufbein ist rotiert und befindet sich nicht mehr in einer gestreckten Linie mit Kron- und Fesselbein. Das Strahlbein wurde durch die Rotation aus seiner Position als gelenkunterstützendes Sesambein in Richtung Kronbein verschoben, wo es keine schützende Knorpelschicht mehr gibt, die die Gelenkflächen als Schutz überzieht.

Die Zehenwand hat ihre Tragefunktion aufgegeben. Sie wird durch die Knochenzubildung an der Hufbeinspitze ständig nach vorne abgewiesen und zusätzlich durch die verbreiterte mit Fäulnis besiedelte Blättchenschicht zerstört.

Durch das Zusammenschieben (Ofenrohrsymptom) der Zehenwand durch den Narbenhornkeil zwischen Hufbeinrücken und äußerer Zehenwand ist diese bereits niedriger als die Trachtenregion. Der Kronsaum fällt nach unten ab, die Seitenwände stauchen nach oben.

Das Pferd erlitt kurz vorher einen starken Reheschub.

 

 

 

Das Pferd wurde während der gesamten Behandlungsdauer nur einmal im Winter 2004 für 3 Monate gepolstert um die Fäulnis im Hufbeinträger einzudämmen. 

Seit Februar 2004 geht es mit den anderen Pferde regelmäßig auf die Koppel und wird mit Hufschuhen im Schritt bewegt. 

Der rechte Huf wird  immer unser Sorgenkind bleiben, da die Hufbeinspitze hier deutlich stärker geschädigt ist als am linken Huf. 

Wir wollen demnächst noch einmal Röntgenbilder machen.

 

 

 

  t 2008

 

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     (Januar 2006)

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